HERZSIEGERIN-Thema: Darf ich das?

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DARF ICH DAS?
Auch diese Frage, dieser Zweifel, diese Bremse, die große Pläne ganz schnell ganz klein werden lässt, begegnet Peggy und mir immer wieder in unseren Coachings mit Klientinnen, die so unglaublich viel können und sich häufig so wenig erlauben. Deshalb wollten wir dieses Thema unbedingt in HERZSIEGERIN, unser Empowerment Programm für Frauen integrieren. Warum glauben gerade wir Frauen häufig, dass wir die Erfüllung unserer Pläne und Wünsche abhängig machen müssen von der Erlaubnis Anderer? Dass die Bedürfnisse anderer Menschen ganz selbstverständlich wichtiger sind als unsere eigenen und wir uns unterzuordnen haben? Dass wir aus irgendwelchen Gründen glauben, keinen Erfolg, keine Veränderung, keinen Beifall zu verdienen, weil es irgendjemandem nicht passen könnte? Warum nehmen wir uns selbst oft so wenig wichtig und erhöhen die Bedeutung anderer Meinungen und Interessen im Gegenzug umso mehr? Und wieso assoziieren wir häufig, dass es egoistisch, arrogant ja vielleicht sogar assozial ist, wenn wir einfach mal tun, was WIR wollen und worauf WIR Lust haben, ohne uns davor x-mal zu versichern, dass wir auch bloß niemandem damit auf den Schlips treten?
Die eigenen Interessen und Wünsche zu vertreten und praktisch umzusetzen, wird bei und von Frauen häufig automatisch gleichgesetzt mit krassem Eigennutz, mangelnder Empathie und fehlendem Verantwortungsgefühl. Die großen Stärken, die Frauen häufig besitzen, nämlich Einfühlungsvermögen und Fürsorge werden auf diese Weise kontraproduktiv instrumentalisiert. Entweder von Dritten, um uns zu manipulieren und zu verhindern, dass wir aus der für Andere bequemen Komfortzone auszubrechen. Oder mehr oder weniger bewusst von Frauen selbst, um die Angst vor der eigenen Courage zu vertuschen und letztlich alles so zu lassen, wie es ist, um Konflikte und Auseinandersetzungen zu vermeiden.
Es geht hier aber nicht darum zu lernen, rücksichtslos immer die eigenen Interessen durchzudrücken, es geht um eine gesunde Selbstfürsorge und die Erlaubnis, sich selbst weiterentwickeln, auszuprobieren, zu scheitern und in den Fokus rücken zu dürfen. Unsere eigenen Erfahrungen machen zu können und (Gott bewahre) einfach mal etwas nur für uns zu tun.
Und gerade hiervor haben so viele tolle Frauen Angst. Vielleicht Angst vor negativer Resonanz, Liebensentzug, davor, den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen, etwas zu versprechen, dass sie glauben, nicht halten zu können und deshalb als Hochstaplerin entlarvt zu werden. Und bevor diese scheinbar realen schlimmen Szenarien eintreten, nehmen Sie lieber Abstand von ihren „verrückten“ Plänen, vor der Veränderung, die sie sich insgeheim wünschen, von dem Freiraum, den sie so sehr verdienen. Lieber alles beim Alten lassen, bevor jemand böse ist, oder das Horrorszenario des (scheinbaren) Versagens eintritt. Ging bis jetzt ja auch irgendwie, oder?
Wieviel Potenzial könnte sich entfalten, wie viel Neues probiert werden, wieviel positive Veränderung in Gang gesetzt werden, wenn wir uns häufiger erlauben würden, einfach zu machen, statt schüchtern zurückzutreten? Wenn wir unserem ewigen Perfektionismus, der Versagensangst und der Furcht vor Konfrontationen abschwören und vertrauen auf unsere Kraft, unsere Fähigkeiten und unsere Improvisationsgabe?
Genau hier setzen wir in unserer Livesession an und gehen mit Euch in die Tiefe.
Was hält uns ab, was möchten wir behalten, was abgeben, und wie schaffen wir den Spagat zwischen Fremd- und Eigenfürsorge. Und wie geben wir uns selbst die nötige Portion Selbstvertrauen, um aus vollem Herzen sagen zu können: ICH DARF!
Wir freuen uns sehr auf unsere Livesession mit Euch!
Den Link dazu findest Du hier!

Foto: mantashesthaven/ www.pexels.com

Das gefälschte Ich

Die dunkle Seite der Selbstdarstellung

Immer strahlendes Lächeln, phantastische Orte, dynamische sportliche Aktivitäten, perfekt fotografiertes Essen, gemütliche Auszeiten mit grünem Tee und veganem Avocadokuchen, erfolgreiche aussehende hippe Freunde und Spaß ohne Ende. Wenn man die Bilder auf Anjas Profil in den sozialen Netzwerken betrachtet, möchte man neidisch auf dieses perfekte Leben werden, wo offenbar alles spielend gelingt. Da fällt das Dauerlächeln leicht, oder?
Das Problem ist nur, dass Anja häufig gar nicht zum Lachen zumute ist, denn eigentlich ist sie oft einsam, hat Angst, dass Ihr Leben nicht in die richtige Richtung läuft und hätte gern einen Partner, mit dem Sie Ihr Leben teilen kann. Sie ist eben ein Mensch wie wir alle mit Höhen und Tiefen – nur die Tiefen sollen in der Außendarstellung nicht sichtbar werden. Hier soll alles glänzen, keine „Schwäche“ gezeigt werden. Denn für Matt statt Hochglanz kriegt man keine „Likes“ – und Likes bedeuten Liebe und Bestätigung in der virtuellen Welt, wo wir uns das ideale Bild von uns selbst einfach erschaffen und die Realität ausblenden können.
Das kann Anja perfekt. Ihre Selbstdarstellung ist erfolgreich, zumindest den Maßstäben der Network-Scheinrealität entsprechend.

Wenn man Anja fragt, was sie sich am meisten wünscht, antwortet sie: „Ich wünsche mir endlich einen Partner, der mich so liebt wie ich bin, bei dem ich mich fallen lassen und auch mal einen schlechten Tag haben kann.“ Aber genau dieses „geliebt werden, wie sie ist“, lässt sie nicht zu, indem sie permanent ein gefälschtes Bild von sich zeichnet, ständig befeuert und nach außen vermittelt.

Dauergrinsende Roboter sind nicht echt

Es kostet viel Mut, uns authentisch zu zeigen und dadurch verletzbar zu machen. Umso schwerer fällt es in den Zeiten ständiger Selbstoptimierung, Selbstdarstellung und unseligen Vergleichen mit anderen (vermutlich genauso künstlich aufgehübschten) Profilen. Wir setzen uns unter Druck, immer perfekt funktionieren und aussehen zu müssen und dauergrinsenden Robotern gleich alles mit Leichtigkeit zu schaffen. Diesen Eindruck von Leichtigkeit und Kraft können wir nochmal besonders fördern, indem wir hin und wieder ein Foto von uns beim Meditieren posten – auch diesen Trend darf man ja nicht verpassen.
Wie können wir erwarten, dass uns Menschen wirklich kennen, lieben und akzeptieren, wenn wir es selbst nicht tun in der Angst, uns echt zu zeigen? In der Welt sozialer Netzwerke soll alles „real“ sein und ist häufig zum Abgewöhnen verlogen.
Warum geben wir anderen Menschen häufig nicht die Chance, sich von unserem wahren Ich begeistern zu lassen? Glauben wir, dieses wäre nicht spannend, schön oder erfolgreich genug?

Authentisch sein kostet Mut

Es ist oft schmerzhaft, sich einzugestehen, dass es im Leben manchmal nicht so läuft, wie wir es uns wünschen, umso mehr, wenn wir den Eindruck haben, dass es bei allen anderen Menschen ständig voran geht. Es tut weh, durch dunkle Zeiten zu gehen, uns allein zu fühlen oder nicht alles im Griff zu haben. Wieviel wir davon zeigen, steht uns selbstverständlich frei.
Definitiv kontraproduktiv ist aber, uns selbst zu verleugnen, indem wir anderen vorspielen, alles wäre toll.
Automatisch antworten wir meistens auf die Frage „wie geht’s?“ mit „gut!!“ – auch wenn uns vielleicht eigentlich zum Heulen zumute ist. Wir posten strahlende Smileys und dankbar gefaltete Hände, obwohl wir uns vielleicht hundeelend fühlen. Alles muss irgendwie „mega“ sein, und wir machen mit, weil wir nicht aus diesem geschönten Raster fallen wollen. Hiermit verspielen wir aber jede Chance auf echte Anteilnahme, Hilfe und Bindung.
Anja wirkt nachdenklich bei diesem Impuls.
„Das klingt total logisch, merkwürdig, dass mir das gar nicht aufgefallen ist. Dieses positive Getue ist bei mir schon eine Art Automodus geworden, darüber denke ich gar nicht mehr nach. Helfen tut es mir letztlich aber nicht, im Gegenteil, ich finde dieses Vorgaukeln, dass alles toll ist, häufig unglaublich anstrengend.“

Pause machen

Menschen sind soziale Wesen, wir möchten uns zugehörig fühlen, in Gemeinschaft mit Anderen sein. Soziale Netzwerke sind meist eine Glitzerwelt aus gesteuerter, oft gefälschter Selbstdarstellung. Sie folgen Ihrer eigenen Dynamik und ihren eigenen Maßstäben. Wir möchten mitschwimmen in diesem Fluss schöner Bilder und unseren eigenen Beitrag dazu leisten. Uns selbst suggerieren, dass wir das Leben, das wir auf sozialen Netzwerken in Szene setzen, toll und spannend ist. Vielleicht entwickeln wir sogar eine Art Sucht nach positiver Resonanz in Form roter Herzchen von Menschen, die wir überhaupt nicht kennen. Wir möchten dabei sein, das entspricht unserem Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit. Dafür sind wir oft bereit, den hohen Preis der Selbstverleugnung zu zahlen und merken gar nicht, wie sehr wir uns letztlich damit von uns selbst und anderen isolieren.
Natürlich entscheiden wir alle selbst darüber, was wir wo und wie von uns preisgeben, aber letztlich sehnen sich die meisten Menschen nach Geborgenheit und Authentizität. Soziale Netzwerke können diese Geborgenheit in der Regel nicht bieten, sie nennen sich sozial und bleiben häufig doch anonym. Sie arbeiten oft mit einer Masse von Menschen, aber nicht mit echter Verbindung.

Anja möchte eine Pause von der inszenierten Selbstdarstellung einlegen. „Ich glaube, das tut mir mal gut und lässt mich zur Ruhe kommen. Schließlich gibt es auch eine echte Welt da draußen. Die ist vielleicht nicht immer schön, aber wenigstens ohne Filter“.
Vielleicht sollten wir uns diese Pause alle hin und wieder gönnen und Anderen die Freude machen, uns wirklich live und in Farbe kennenzulernen. Dies wird kein inszenierter Post jemals ersetzen können.

Foto: Victor Santos/ www.pexels.com

Video: Im Gespräch #17: Potenzial erkennen und entwickeln mit Tessa Koro

Wir alle verfügen über eine Fülle an Fähigkeiten und Potenzial. Manchmal fällt es uns jedoch schwer, diese Fülle zu erkennen und zu nutzen.
Warum gerade Frauen sich häufig schwer damit tun, sich ihr Potenzial zu erlauben und selbstbewusst zu aktivieren, diskutieren meine tolle Kollegin Tessa Koro und ich in dieser neuen Podcastfolge.

Hier geht es zu unserem Video!
Mehr zu Tessa gibt es auf Ihrer Homepage.

Weitere Infos zu mir findest Du hier!

Foto: Victor Santos/ www.pexels.com

Video: Im Gespräch #13: Tanzen als Spiegel unserer Seele nutzen

Ein tiefgründiges und animierendes Gespräch mit Vivien van Deventer

Musik an und lostanzen!
Tanz hat nichts mit Perfektion zu tun sondern mit der Lust, unseren Gefühlen Ausdruck zu verleihen und ganz bei uns zu sein. Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, negative Gefühle rauszulassen und uns mit positiven Emotionen zu versorgen. Warum Tanz ein tolles Mittel ist, uns wieder in Balance zu bringen, erzählt uns meine wunderbare Freundin und Tänzerin Vivien von Deventer in diesem facettenreichen Interview und neusten Beitrag zu meinem mentalen Corona Care-Paket.
Sehen und hören kannst Du uns hier!

Infos zu Vivien und ihren Performances findest Du vielfältig im Internet, ihre eigene Seite befindet sich gerade im Aufbau.
Mehr Infos zu mir gibt es hier!

Ran an das Hindernis und drüber!

Ein spannender Hindernislauf mit Sebastian Sowa

Sebastian ist nicht nur Trainer, Fachberater und Coach in Altenburg/ Thüringen, sondern seit vielen Jahren auch Extremsportler und mit vollem Herzen dabei. Insgesamt betreibt er seit 20 Jahren Sport. Unter anderem hat er sich seit 9 Jahren auf Hindernislauf spezialisiert. Was er daraus fürs Leben lernt und warum das gerade in Krisenzeiten von unschätzbarem Wert ist, um die eigene Resilienz zu stärken, erzählt er in diesem dynamischen Interview.

Sebastian, Du bist seit vielen Jahren unglaublich aktiv als Sportler und hast erzählt, dass Du es gewöhnt bist, Dich selbst zu disziplinieren und mit Dir allein zu sein. Warum kann das gerade in der aktuellen Coronakrise so wertvoll sein?
Ich hatte viele Trainings und auch einige Wettkämpfe, die nicht gut liefen, das hat mich vor einigen Jahren noch stark frustriert. Ich glaubte fest daran das es doch „immer“ klappen muss. Das ich immer abliefere und alles andere nichts bringt. Mittlerweile bin ich da deutlich entspannter. Denn genau diese Trainings, Wettkämpfe waren es die mir am stärksten gezeigt haben, wo ich Defizite habe. So gab es immer die Möglichkeit, mich neu auszurichten und meine guten Attribute genauer zu erkennen. Zusätzlich kam die Erkenntnis, dass Schwächen dazugehören. Kein Körper funktioniert immer auf 100%, auch wenn das gern suggeriert wird. Ich gebe mir die Erlaubnis auch mal weniger gut zu sein. Denn ich bin ja immer noch gut! Corona bringt viele ins Wanken. Auch mich. Jedoch gibt mir der Sport und die Disziplin einen großen Halt. Wenn du unzählige Stunden allein Laufen warst, Sport machst zu Zeiten wo andere schlafen… das macht dich mental sehr stabil. Du erkennst, dass allein sein auch notwendig ist. Allein sein heißt bei dir sein. Wer ist das noch regelmäßig? Wenn du die Ruhe an einem Sonntagmorgen um 6 Uhr beim Laufen über 3Std. schätzen lernst, dann lernst du auch die Entschleunigung durch Corona schätzen.

Du hast Dich unter Anderem auf das Thema Hindernislauf spezialisiert. Was genau fasziniert Dich daran so?
Ich habe früher nur reines Krafttraining absolviert, mein Horizont war darauf beschränkt. Dann kam mein Bruder und meinte, „Hey, Basti. Da findet bald so ein krasser Lauf in Rudolstadt statt, da müssen wir mitmachen!“
Ich hatte drei Monate um mich zum Läufer fit zu machen. Zusätzlich die Hindernisse… Sehr gewagt und auch rückblickend ein wenig unklug. Das erste Training über 8 km war eine Qual von Anfang bis Ende. Und für den Event standen 24km an… Da dachte ich mir: “Das kann nicht sein, du machst viele Jahre Sport, aber fit bist du überhaupt nicht.“
Also habe ich alle Regeln, alle Dogmen über Bord geworfen, komplett anders trainiert. Die neue Welt faszinierte mich. Und da der Event sehr gut für mich ausging, war die Euphorie groß. Seitdem lerne ich aus möglichst vielen Sportarten das Beste zu verbinden, bin deutlich offener und kommuniziere jedem, dass eine breite Aufstellung mehr Balance gibt. Wörtlich und sinngemäß. Hindernisläufer sind sehr gute Athleten. Außerdem bekommst du die Möglichkeit bspw. als Angestellter einer Bank, der immer im Anzug und sehr „konform“ ist, mal im Schlamm zu kriechen, zu klettern wie ein Kind und einfach mal die Sau raus zu lassen. Beim Hindernisrennen sind alle gleich, alle auf Augenhöhe. Das ist ein megaschönes Gefühl und so intensiv woanders sehr selten zu bekommen.

Wie hilft Dir Deine Fähigkeit, Hürden zu überspringen aktuell – und was können wir (die vermutlich keine sportliche Kompetenz als Hindernisläufer haben) aus Deinen Erfahrungen für uns mitnehmen?
Gehen wir gemeinsam gedanklich durch, was in mir vorgeht wenn ich auf eine Hürde zulaufe und sie bewältige.
„Da kommt die nächste Hürde, ich bin schon ein wenig groggy. Aber die letzten Hindernisse habe ich geschafft, also auch dieses. Oh man, schwerer als erwartet, sah von weitem nicht so aus. Los, genau dafür hast du trainiert. Oben, ging doch gut. Konzentrier dich. Langsam runter, nicht fallen, Sicherheit geht vor. Halte dich gut fest, gleich geschafft. Yes, das war geil. Tolles Hindernis. Was kommt als nächstes?“ Übertragen auf das Leben möchte ich es wie folgt anbieten: Schau genau, wie oft du anspruchsvolle Situationen bereits gemeistert hast. Trainiere, sei vorbereitet. Das gibt dir Sicherheit. Auch wenn es schwerer ist als erwartet, vertraue dir! Bleib konzentriert bei dir, blende das Außen aus und geh nach innen. Finde die Freude an der Sache die du eben tust! Sei im Moment! Schau nach vorn und sei dir gewiss, du packst auch das folgende. 

Du hast Dich neben Deiner Sportlerkarriere und Deinem Hauptjob für die Coachingausbildung entschieden. Warum?
Ich möchte schon sehr lange Coach/Trainer werden, es hat sich nur nicht herausgefiltert wie ich das umsetze. Personen aus unterschiedlichsten Kreisen sprechen mir einen hohen motivierenden Faktor zu. Wenn mir Sprechzeit gegeben wird, spreche ich gern und ziehe Menschen in meinen Bann. Mich hat interessiert wie ich in anderen diese intrinsische Motivation entfachen kann. Dazu benötigt es eine Menge zusätzliches Wissen, daher die Ausbildung. Zu sehen wie andere Menschen Kompetenzen entwickeln, die ihnen langfristig helfen, ist einfach spitze! Und ich lerne dadurch auch ständig dazu. Das in Summe mit anderen Faktoren hat mich dazu veranlasst. Bald kommt diese Story über mich persönlich auf viele Teile gesplittet auf Instagram. Da beleuchte ich das näher. Da könnt Ihr mir gern folgen.

Was hast Du selbst für Dich aus der Coachingausbildung mitgenommen? Was hat sich bei Dir dadurch verändert?
Ich bin deutlich offener und übe mich ständig darin weniger zu bewerten. Eine wirklich große Herausforderung!

Wie unterstützt Du Deine Klienten mental in der aktuellen Krise, welche Themen werden vor allem an Dich herangetragen?
Corona ist bei meinen (momentan noch wenigen) Klienten bis jetzt überhaupt kein Thema. Es kommen andere Dinge zum Vorschein, die durch Corona lediglich offengelegt werden. Ein enorm spannender Prozess. Ich wünsche jedem gute Erkenntnisse aus dieser Zeit! Support erhalten sie durch meine hoch positive Einstellung zum Leben. Ich blicke gern mal weg vom Weg, das gibt Luft zum Atmen und Raum für Wärme. Schutz und Stärke werden übertragen.

Inwiefern kannst Du Deine Erfahrungen als Sportler sinnvoll einfließen lassen?
Beim Sport hängt alles von deiner Umsetzung ab, genauso wie in allen anderen Bereichen auch. Das ist das größte Learning für mich. Auch wichtig: der Zustand aus Be-und Entlastung. Dem Klienten klar zu machen, das Pausen die Resonanz für Kreativität und Antrieb fördern. Allerdings ist hier viel Übung wichtig. Pausen machen bedeutet nicht dem inneren Faulenzer ständig nachzugeben. Hier setzte ich an, realistischen Zielen, die fördern und Fordern. Das birgt fruchtbaren Boden.

Die Coronakrise wirft vielen von uns ständig neue Steine in den Weg. Wie kann ich mich motivieren, nicht aufzugeben, sondern jedes Hindernis in Angriff zu nehmen?
Erstmal die momentane Situation annehmen, fühlen. Danach klarmachen dass du immer noch über so viel entscheiden kannst. Etwas neues beginnen. Erfolge in diesen Bereichen feiern und mit dieser Motivation erneut bei Schritt eins beginnen.

Wir haben oben über den Wert des Alleinseins gesprochen. Warum meinst Du, fällt das manchen Menschen so schwer?
Die meisten befinden sich in einem Status des permanenten Konsums. Überall Reize, die sie aufnehmen und verarbeiten. Sie sind konditioniert darauf immer neue Impulse zu benötigen. Totale Ruhe und oder das allein sein entzieht diese Reize. Damit kommen viele nicht zurecht. Doch statt sich behutsam an diesen Moment heranzutasten, wird wieder konsumiert. Sehr schwer da auszubrechen. Das schaffen nur die, die das wirklich (!) möchten, oder die, die sich dafür Anleitung holen. Auch für mich war dies eine lange Reise die immer noch andauert. Mittlerweile weiß aber jeder: Der Sebastian ist häufig nicht dabei, aber wenn, dann ist er absolut dabei.  Bodo Schäfer hat da ein tolles Zitat:
„Sage nein zu unwichtigen Dingen, und werde groß. Sage ja zu den wirklich wichtigen Dingen und werde ein Gigant!“ Ein wenig reißerisch, aber mir gefällt es sehr.

Was möchtest Du diesen Menschen als Coach mit auf den Weg geben?
Erkenne die Magie der Ruhe! Du benötigst mehr Zeit für dich, als du vermutest.

Als positiver Impuls zum Abschluss: Warum lohnt es sich, auch in der Krise Hindernisse in Angriff zu nehmen und zu überwinden statt auszuweichen?
Zunächst: Wenn die Kraft nicht reicht ist ein Ausweichen auch okay, dafür gibt es beim Hindernislauf die ( sehr scherzhaft bezeichnete) Pussy Lane. Das hat natürlich auch ein Stück mit deinem eigenen Anspruch und deinem mentalen Limit zu tun. Aber ich denke, lieber ausnahmsweise mal ausweichen, statt langfristig nicht an den Start zu kommen. Aber: stell dir vor, wieviel mentale Höhe und Reife du erreichst, wenn du Hindernisse überwindest. Dieses Gefühl ist woanders schwer zu bekommen. Daher, es lohnt sich! Heavy Metal und GO!!

Mehr zu Sebastian findet Ihr auf Instagram unter anlaufpunkt_coaching

Weitere Interviews, Videos und Artikel gibt es hier!

Foto: Andrea Piacquadio/ www.pexels.com

Video: Im Gespräch #12: Kraft tanken durch Trance und Phantasiereisen

Pünktlich zum Jahr 2021 ist es Zeit für eine Premiere!
In dieser neuen Folge meiner Reihe „im Gespräch“ könnt Ihr uns nicht nur hören sondern auch sehen.
Ich freue mich sehr, meine gute Freundin und Kollegin Monika Stepan, mit der ich Anfang 2020 die allererste Podcastfolge aufgenommen habe, auch für diese Premiere gewonnen zu haben.
Mona hat selbst unglaublich positive und heilsame Erfahrungen mit Trance und Hypnoelementen gemacht und arbeitet sehr erfolgreich damit als Coach. An ihren persönlichen Erfahrungen lässt sie uns nicht nur teilhaben, sondern gibt uns einen tiefen Einblick in die kraftvolle Wirkung emotionaler Bilder und tiefer Entspannung. Gleichzeitig thematisieren wir in diesem Gespräch eventuelle Vorbehalte bzgl. Trance- und Hypnoelementen und lassen den Prozess greifbar werden.
In Coronazeiten können wir wenig real reisen, aber in unserer Phantasie gibt es keine Grenzen. Also packt Euren imaginären Koffer und tankt neue Kraft auf Eurer individuellen Trancereise!

Unser Interview – live und in Farbe, ohne Filter und vollkommen authentisch findet Ihr hier.

Mehr Infos zu Mona gibt es auf ihrer Homepage.
Mehr zu mir erfahrt Ihr hier!

Foto: Kirsten Schmiegelt

Gelassenheit finden durch autogenes Training

Mein Kollege und Hypnocoach Bernd Dorst gibt uns eine einfache und praxistaugliche Einführung.

Du bist ausgebildeter Coach und Hypnotherapeut und vielseitig ausgebildet. Wie bist Du zum autogenen Training gekommen?
Ich bin schon sehr früh zum Autogenen Training gekommen, als ich als asthmakrankes Kind in einer Kur AT auf meinem Therapieplan stehen hatte. Nach nur 4 Wochen merkte ich schon die positiven Auswirkungen auf mein Asthma und bin dann anschließend bei der Methode hängen geblieben.  

Wie genau funktioniert es?
Wie das Wort „autogen“ (griechisch für „ursprünglich, selbsttätig“) schon andeutet, nimmt man beim autogenen Training selbsttätig eine Art Selbsthypnose vor. Das ist für gesunde Menschen ungefährlich. Im Autogenen Training gibt es 3 Stufen, die Grund-, Mittel- und Oberstufe.
Mit dem Autogenen Training ist es möglich, das Vegetative Nervensystem, das „autonome“, selbständige Nervensystem, anzusprechen. Dieses arbeitet normalerweise unabhängig von unserem Bewusstsein und unserem Willen und reguliert unter anderem die Tätigkeit sämtlicher Organe, ist aber andererseits für viele negative körperliche Reaktionen auf Stress verantwortlich.
In der Grundstufe erlernt man in einfachen Übungen sein vegetatives Nervensystem willentlich positiv zu beeinflussen und so u. a. ganz bewusst psycho-vegetative Funktionen selbst zu regulieren. Für die Anwendung der Mittelstufe muss die Grundstufe beherrscht werden. Die Mittelstufe dient dazu, sich mit seelischen und sozialen Faktoren, die zu Verspannungen führen, auseinanderzusetzen. Sogenannte Vorsatzformeln, also Leitsätze, die auf den Übenden abgestimmt sind, werden hier genutzt, damit der Übende sich selbst hypnotische Aufträge erteilen kann und diese vom Unbewussten direkt umgesetzt werden. Hierbei kann es sich um Themenbereiche wie den Körper (Leistungsfähigkeit, Krankheit) oder die Psyche (Verhaltensveränderungen oder das Erreichen von Lebenszielen) drehen und die kurz und prägnant formulierten Formeln werden vom Übenden im Anhang an die Übung der Grundstufe (als Vorentspannung) genutzt.
In der Oberstufe des Autogenen Trainings geht es um Tiefenentspannung, Selbsterkenntnis und Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. Es findet eine Art Innenschau, Selbsterfahrung, Selbstfindung und Einsicht statt.

Welche positive Wirkung merkst Du bei Dir ganz konkret?
Auch in der Krise behalte ich meine Gelassenheit und kann die Dinge so akzeptieren wie sie im Moment gerade sind. Seit ich Autogenes Training betreibe konnte ich meine Asthma-Medikamente in Abstimmung mit meinem Pneumologen um mehr als die Hälfte reduzieren, ein Akut-Medikament habe ich zwar noch, aber seit ganz langer Zeit nicht mehr nutzen müssen. Sollte ich mal nicht einschlafen können, wirkt Autogenes Training Wunder.

Wenn ich mit autogenem Training beginnen möchte, gerade in der aktuellen Zeit: Kann ich das online lernen, oder empfiehlst Du auf jeden Fall einen Präsenzkurs?
Im Idealfall würde ich einen Präsenzkurz zum Erlernen empfehlen. In der heutigen Zeit des „Social Distancing“, kann aber sicher ein erstes Erlernen der Grundstufe online erfolgen, um es später in Präsenz noch einmal zu wiederholen und die eigene Technik zu überprüfen. Bei einem Online-Kurs wäre anzuraten, einen Kurs zu suchen, der eine Interaktion mit dem Kursleiter zulässt. Dieser gibt weitere Erklärungen zu den Übungen und beantwortet am Ende jeder Lektion Fragen oder gibt weitere Tipps/teilt seine Erfahrungen. Zum Erlernen der Mittel- und Oberstufe wäre ein Präsenzkurs bestimmt die bessere Wahl, da hier auch u. U. starke Emotionen auftreten können, die durch einen erfahrenen Kursleiter stabilisiert werden sollten.

Was muss ich als Anfänger beachten?
Üben, üben, üben und das regelmäßig. Die Methode „Autogenes Training“ beinhaltet „Training“. Wie beim Sport gilt: Ohne Fleiß kein Preis. Nicht zu viel auf einmal wollen und geduldig sein: Langsam die aufeinander aufbauenden Übungen erlernen ist besser, als in 2 Wochen bei der Oberstufe angelangt sein zu wollen. Man kann davon ausgehen, dass es mindestens 6 Monate dauert, bis man mit dem Training der Oberstufe anfangen kann (ein Marathon wird ja auch nicht nach 2 Wochen Training gelaufen)

Gibt es eventuelle Risiken?
Für gesunde Menschen ist Autogenes Training gefahrlos. Für Personen mit schweren Angststörungen, Wahnvorstellungen, Persönlichkeitsstörungen, Depressionen ist Autogenes Training (wie bei Hypnose auch) kontraindiziert.

Inwiefern kann uns autogenes Training helfen, die aktuelle Krise mit all ihren Einschränkungen und latenter Bedrohung zu verarbeiten und Kraft zu tanken?
Autogenes Training kann uns helfen, besser mit dem durch die aktuelle Krise hervorgerufenen Stress umzugehen, in dem wir bewusst unser vegetatives Nervensystem autoregulieren und somit physischen Belastungen durch Stress entgegensteuern können. Autogenes Training kann auch vor dem Einschlafen gemacht werden und ist ein hervorragendes Mittel, um sanft in den Schlaf zu gleiten oder negative Gedankenspiralen zu durchbrechen. Schaut man sich das Autogene Training mit all seinen Facetten an, stellt man fest, dass es sich positiv auf fast alle Säulen der Resilienz auswirken kann und wer schon einmal eine Fantasiereise an einen sonnigen Sandstrand gemacht hat, wie das z. B, in der Mittelstufe des Autogenen Trainings möglich ist, weiß in welcher Weise hieraus Kraft getankt werden kann.   

Wie lange dauert es, bis sich fühlbare Erfolge einstellen?
Nach etwa 4-6 Wochen stellen sich erste Erfolge ein. Es ist jedoch sehr davon abhängig, wie oft geübt wird.

Wieviel Zeit sollte ich täglich dafür investieren?
Anfänglich sind 5-10 Minuten am Tag, die sich nach und nach auf maximal 30 Minuten steigern, sehr gut investierte Zeit.

Wenn Du mir autogenes Training „verkaufen“ willst, was sind Deine 3 Top-Argumente?
Wieso eigentlich nur 3 Argumente?:)
Es ist so einfach zu erlernen, dass selbst Kaffeewasser anbrennen lassen schwer dagegen ist.
Autogenes Training kann man immer und überall ohne Hilfsmittel praktizieren – im Stehen in der U-Bahn, im Sitzen im Kutschersitz auf dem Bürostuhl im Homeoffice oder auf der Couch oder im Liegen.
Die Anwendung von Autogenem Training ist so vielseitig und „dosierbar“ – nur zum Entspannen/Gelassenheit erwerben, sich mit Leitsätzen weiterentwickeln oder als Mittel zur Selbstfindung/Selbsterfahrung.
Mit entsprechender Übung ist es möglich mit Autogenem Training von Stress auf Entspannung umzuschalten, in Sekunden.

Ok das waren jetzt vier… soll ich weitermachen?

Was möchtest Du unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Einen Spruch aus den „Carnets“ von Antoine de Saint-Exupéry:
„Es ist die Welt von heute, der eine Welt von morgen folgen wird.“

Auch wenn es gerade alles andere als einfach ist, versucht die momentane Situation zu akzeptieren, bleibt Euren Werten treu. Tut Euch und Anderen Gutes, werdet zum Sinnfinder, bleibt optimistisch und kreativ auf Eurem Weg in Eure Welt von morgen. 

Bernd Dorst studierte BWL in Saarbrücken und Lyon. Nach 20 Jahren in Frankreich lebt er seit 2018 in Saarbrücken und arbeitet in einer psychologischen Gemeinschaftspraxis im Süden Luxemburgs. Er ist ausgebildeter Personal und Business Coach, Mediator (univ.-gepr.), geprüfter Heilpraktiker für Psychotherapie, Burnoutberater und Trainer für Autogenes Training nach Schultz und Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Neben Themen, wie z.B. Stressmanagement, Burn- und Boreout, Entspannungstechniken und anderen, spezialisierte er sich auf die Bereiche Coming-out, Mobbing und Trauerbegleitung.

Zu Bernd’s Homepage geht es hier.

Foto: Spencer Selover/ pexels.com