Ruhe im Kopf!

In Zeiten, die seit Monaten durch Unsicherheit, diffuse Bedrohung, extreme Meinungen, absurde Theorien und jede Menge aufgeheizte Emotionen geprägt sind, möchten viele meiner Klienten eigentlich nur eins: Endlich mal Ruhe haben!

Ruhe vor den aktuell ständig steigenden Corona-Zahlen und den damit verbundenen Ängsten, eine Auszeit von der zur Schau gestellten Verantwortungslosigkeit zahlreicher demonstrierender Gruppen unter dem Deckmantel der Grundrechtswahrung oder auch einfach nur mal wieder eine U-Bahnfahrt, ohne die Rücksichtslosigkeit in Form einer unter dem Kinn baumelnden Maske ertragen zu müssen.
Diese Zeit verlangt uns allen viel ab. Zum einen müssen wir lernen, mit der andauernden Unsicherheit umzugehen, uns in Akzeptanz zu üben und daraus das Beste zu machen. Was das Beste ist, werden wir vermutlich anhand unserer individuellen Wertecharta entscheiden. Diese Charta sieht offensichtlich bei Vielen unterschiedlich aus. Werte wir Solidarität, Verantwortungsbewusstsein und Rücksichtnahme sowie die Bereitschaft, sich zum Wohle Anderer zumutbar einzuschränken, scheinen leider bei vielen Menschen nicht ganz oben auf der Liste zu stehen. Dies zu sehen tut weh, besonders wenn wir uns selbst auf die Seite der Verantwortungsvollen stellen, und dafür von anderen als manipulierte Mitläufer betitelt werden und jeder konstruktive Dialog verweigert wird.
Vielleicht müssen wir ertragen, dass sich Menschen, die uns nahe waren, auf die andere Seite stellen und eventuell werden wir frühere Freunde durch diese Krise verlieren, weil wir spüren, dass sich hier ein unüberbrückbarer Graben aufgetan hat. Menschen, die wir glaubten zu kennen und mit denen wir uns auf einer Wellenlänge fühlten. Dies macht uns traurig, wütend, vielleicht fassungslos. Und vielleicht haben wir Momente, wo wir an dem, was gerade geschieht und an den beteiligten Akteuren verzweifeln möchten. Es stresst uns. Oft viel zu sehr, und ein Ende ist nicht wirklich in Sicht.

Wie bekommen wir sie – die Ruhe im Kopf und im Herzen? Wie können wir uns von den negativen Einflüssen abgrenzen und in uns stark bleiben?

Auf Abstand zu denen gehen, die uns widerstreben und näher zu denen rücken, mit denen wir uns gerade jetzt verbunden fühlen, ist Selbstfürsorge.
Uns zu erlauben, Distanz zu wahren, ohne ignorant zu werden, uns Auszeiten gönnen, um aufzutanken und den Mut nicht zu verlieren. Sei es durch räumlichen Abstand in der Natur oder durch Versenkung in unserem Inneren, um uns selbst besser kennenzulernen.
Uns nicht mit Denen von negativer Energie füllen zu lassen, die Unfrieden und Aggression sähen wollen. Gerade jetzt ist es wichtig, Klarheit über unsere Werte zu schaffen und uns stabil zu positionieren, um die innere Unruhe zu besänftigen. Uns selbst die Ruhe zu schaffen, die wir von außen nicht bekommen.

Ruhe im Kopf fängt mit einem ruhigen Herzen an und der Erlaubnis an uns selbst, dem Kopf auch mal eine Pause zu gönnen – egal, wie turbulent die Zeiten auch sein mögen. Uns eine gute Portion Optimismus zu erlauben, um der manchmal aufkommenden Verzweiflung die Stirn zu bieten.
Und für uns einen Ort zu finden, der uns genau die Ruhe und Sicherheit vermittelt, die wir brauchen. Wo wir einfach nur wir selbst sein dürfen, ohne zu bewerten und bewertet zu werden.
Der uns mit positiver Energie füllt, statt sie uns zu rauben.
Ein Ort der uns bleibt, vor, nach und während einer Krise.

Wie sieht dieser Ort für Sie aus?

Foto: Kirsten Schmiegelt

Im Gespräch #5: Den Krebs als Chance nutzen!

Dies ist vermutlich die emotionalste Podcast-Folge, die ich jemals machen werde. Meine liebste Freundin Carmen teilt mit uns die Geschichte ihrer Krebsdiagnose und wie es ihr gelungen ist, damit kraftvoll und optimstisch umzugehen.
Unser Gespräch findet Ihr hier!
Wir haben dieses Gespräch Ende Februar geführt, seitdem ist viel passiert. Deshalb hat Carmen noch einen Nachtrag beigefügt:

„Vor über einem Monat haben wir den Podcast, wie ich mit meinem Brustkrebs umgegangen bin, aufgenommen, und seitdem ist unglaublich viel passiert.
Der Corona-Virus, der zum Zeitpunkt der Aufnahme noch weit weg in China war, ist nun hier, und ich habe das Bedürfnis, unser Gespräch auch um diesen Aspekt zu ergänzen.
Beim nochmaligen Anhören unseres Gesprächs ist mir aufgefallen, dass ich einen für mich zentralen Begriff nicht konkret genannt hatte. Ich hoffe aber, er ist immer mal wieder durchgeschienen, und zwar ist es der Begriff der Akzeptanz. Ich habe die Tatsache, dass ich Brustkrebs habe, sehr schnell akzeptiert – und konnte aus dieser Position heraus selbstbestimmt in die Handlung gehen und Entscheidungen fällen. Dadurch habe ich mich nie als Opfer gefühlt, sondern immer als handelndes Subjekt.
Die letzten Wochen hatte ich manchmal das Gefühl, dass die Welt unfreiwillig in eine ähnliche Situation gerutscht ist, in der ich mich vor vier Monaten befunden habe: Wir haben mit einer Krankheit zu kämpfen, die wir nicht genau einschätzen können und die wir nur bedingt kontrollieren können. Die Zukunft ist komplett ungewiss, und die Nachrichten und Informationen verändern sich rasant. Keiner weiß, was morgen oder in einer Woche ist. In vielerlei Hinsicht wurde die Stopptaste gedrückt.
Ich beobachte, dass viele Diskussionen sich darum ranken, wann wir endlich wieder zurück zur Normalität kommen. Wir wollen nicht loslassen und wünschen uns unser altes Leben zurück. Dabei haben wir jetzt auch die Chance, innezuhalten, als Individuen und als Gesellschaft, und zu schauen: Was brauchen wir wirklich? Was hat uns gut getan in unserem alten Leben und welche sind die Dinge und Personen, bei denen wir vielleicht auch ganz froh sind, dass wir Corona-bedingt etwas Abstand gewinnen? Bei welchen Prozessen finden wir es insgeheim gar nicht so schlimm, dass sie verlangsamt werden oder gar eine Zwangspause einlegen?
Während Wissenschaftler, Ärzte und Politiker um die Eindämmung der Pandemie kämpfen, bleibt uns zuhause nichts anderes übrig, als das Hier und Jetzt zu akzeptieren. Die Situation ist da, und wir können das Außen nur sehr bedingt kontrollieren. Worüber wir aber sehr wohl volle Kontrolle haben, ist unsere Einstellung zu unserer ganz persönlichen Situation und was wir daraus machen.
Mir hat Akzeptanz geholfen, mit dem Krebs umzugehen, und mir hilft sie auch jetzt. Und ich hoffe, dass sie jetzt und in Zukunft auch vielen anderen Menschen hilft.“

Danke Carmen für Deine Offenheit und dass Du meine Freundin bist!