Im Gespräch #19: Optimismus wagen und den Schalter umlegen

Optimismus wagen

Wie es uns gelingt, uns vom Leben nicht unterkriegen zu lassen und unseren Fokus auf die positive Seite auszurichten.
Darüber spreche ich mit meinem wundervollen Kollegen Sebastian Sowa. Sebastian ist passionierter Coach und Sportler und vor allem leidenschaftlicher Optimist und Lebens-Künstler.
Unser positives, tiefgründiges und tatkräftiges Interview findest Du hier!

Mehr zu Sebastian findest Du auf Instagramm unter anlaufpunkt_coaching und auf seinem Podcast „Punktlandung“ (z.B. auf Spotify). Ich durfte auch in einer Folge dabei sein.

Weitere tolle Interviews mit spannenden Kollegen gibt es hier!

Ran an das Hindernis und drüber!

Ein spannender Hindernislauf mit Sebastian Sowa

Sebastian ist nicht nur Trainer, Fachberater und Coach in Altenburg/ Thüringen, sondern seit vielen Jahren auch Extremsportler und mit vollem Herzen dabei. Insgesamt betreibt er seit 20 Jahren Sport. Unter anderem hat er sich seit 9 Jahren auf Hindernislauf spezialisiert. Was er daraus fürs Leben lernt und warum das gerade in Krisenzeiten von unschätzbarem Wert ist, um die eigene Resilienz zu stärken, erzählt er in diesem dynamischen Interview.

Sebastian, Du bist seit vielen Jahren unglaublich aktiv als Sportler und hast erzählt, dass Du es gewöhnt bist, Dich selbst zu disziplinieren und mit Dir allein zu sein. Warum kann das gerade in der aktuellen Coronakrise so wertvoll sein?
Ich hatte viele Trainings und auch einige Wettkämpfe, die nicht gut liefen, das hat mich vor einigen Jahren noch stark frustriert. Ich glaubte fest daran das es doch „immer“ klappen muss. Das ich immer abliefere und alles andere nichts bringt. Mittlerweile bin ich da deutlich entspannter. Denn genau diese Trainings, Wettkämpfe waren es die mir am stärksten gezeigt haben, wo ich Defizite habe. So gab es immer die Möglichkeit, mich neu auszurichten und meine guten Attribute genauer zu erkennen. Zusätzlich kam die Erkenntnis, dass Schwächen dazugehören. Kein Körper funktioniert immer auf 100%, auch wenn das gern suggeriert wird. Ich gebe mir die Erlaubnis auch mal weniger gut zu sein. Denn ich bin ja immer noch gut! Corona bringt viele ins Wanken. Auch mich. Jedoch gibt mir der Sport und die Disziplin einen großen Halt. Wenn du unzählige Stunden allein Laufen warst, Sport machst zu Zeiten wo andere schlafen… das macht dich mental sehr stabil. Du erkennst, dass allein sein auch notwendig ist. Allein sein heißt bei dir sein. Wer ist das noch regelmäßig? Wenn du die Ruhe an einem Sonntagmorgen um 6 Uhr beim Laufen über 3Std. schätzen lernst, dann lernst du auch die Entschleunigung durch Corona schätzen.

Du hast Dich unter Anderem auf das Thema Hindernislauf spezialisiert. Was genau fasziniert Dich daran so?
Ich habe früher nur reines Krafttraining absolviert, mein Horizont war darauf beschränkt. Dann kam mein Bruder und meinte, „Hey, Basti. Da findet bald so ein krasser Lauf in Rudolstadt statt, da müssen wir mitmachen!“
Ich hatte drei Monate um mich zum Läufer fit zu machen. Zusätzlich die Hindernisse… Sehr gewagt und auch rückblickend ein wenig unklug. Das erste Training über 8 km war eine Qual von Anfang bis Ende. Und für den Event standen 24km an… Da dachte ich mir: “Das kann nicht sein, du machst viele Jahre Sport, aber fit bist du überhaupt nicht.“
Also habe ich alle Regeln, alle Dogmen über Bord geworfen, komplett anders trainiert. Die neue Welt faszinierte mich. Und da der Event sehr gut für mich ausging, war die Euphorie groß. Seitdem lerne ich aus möglichst vielen Sportarten das Beste zu verbinden, bin deutlich offener und kommuniziere jedem, dass eine breite Aufstellung mehr Balance gibt. Wörtlich und sinngemäß. Hindernisläufer sind sehr gute Athleten. Außerdem bekommst du die Möglichkeit bspw. als Angestellter einer Bank, der immer im Anzug und sehr „konform“ ist, mal im Schlamm zu kriechen, zu klettern wie ein Kind und einfach mal die Sau raus zu lassen. Beim Hindernisrennen sind alle gleich, alle auf Augenhöhe. Das ist ein megaschönes Gefühl und so intensiv woanders sehr selten zu bekommen.

Wie hilft Dir Deine Fähigkeit, Hürden zu überspringen aktuell – und was können wir (die vermutlich keine sportliche Kompetenz als Hindernisläufer haben) aus Deinen Erfahrungen für uns mitnehmen?
Gehen wir gemeinsam gedanklich durch, was in mir vorgeht wenn ich auf eine Hürde zulaufe und sie bewältige.
„Da kommt die nächste Hürde, ich bin schon ein wenig groggy. Aber die letzten Hindernisse habe ich geschafft, also auch dieses. Oh man, schwerer als erwartet, sah von weitem nicht so aus. Los, genau dafür hast du trainiert. Oben, ging doch gut. Konzentrier dich. Langsam runter, nicht fallen, Sicherheit geht vor. Halte dich gut fest, gleich geschafft. Yes, das war geil. Tolles Hindernis. Was kommt als nächstes?“ Übertragen auf das Leben möchte ich es wie folgt anbieten: Schau genau, wie oft du anspruchsvolle Situationen bereits gemeistert hast. Trainiere, sei vorbereitet. Das gibt dir Sicherheit. Auch wenn es schwerer ist als erwartet, vertraue dir! Bleib konzentriert bei dir, blende das Außen aus und geh nach innen. Finde die Freude an der Sache die du eben tust! Sei im Moment! Schau nach vorn und sei dir gewiss, du packst auch das folgende. 

Du hast Dich neben Deiner Sportlerkarriere und Deinem Hauptjob für die Coachingausbildung entschieden. Warum?
Ich möchte schon sehr lange Coach/Trainer werden, es hat sich nur nicht herausgefiltert wie ich das umsetze. Personen aus unterschiedlichsten Kreisen sprechen mir einen hohen motivierenden Faktor zu. Wenn mir Sprechzeit gegeben wird, spreche ich gern und ziehe Menschen in meinen Bann. Mich hat interessiert wie ich in anderen diese intrinsische Motivation entfachen kann. Dazu benötigt es eine Menge zusätzliches Wissen, daher die Ausbildung. Zu sehen wie andere Menschen Kompetenzen entwickeln, die ihnen langfristig helfen, ist einfach spitze! Und ich lerne dadurch auch ständig dazu. Das in Summe mit anderen Faktoren hat mich dazu veranlasst. Bald kommt diese Story über mich persönlich auf viele Teile gesplittet auf Instagram. Da beleuchte ich das näher. Da könnt Ihr mir gern folgen.

Was hast Du selbst für Dich aus der Coachingausbildung mitgenommen? Was hat sich bei Dir dadurch verändert?
Ich bin deutlich offener und übe mich ständig darin weniger zu bewerten. Eine wirklich große Herausforderung!

Wie unterstützt Du Deine Klienten mental in der aktuellen Krise, welche Themen werden vor allem an Dich herangetragen?
Corona ist bei meinen (momentan noch wenigen) Klienten bis jetzt überhaupt kein Thema. Es kommen andere Dinge zum Vorschein, die durch Corona lediglich offengelegt werden. Ein enorm spannender Prozess. Ich wünsche jedem gute Erkenntnisse aus dieser Zeit! Support erhalten sie durch meine hoch positive Einstellung zum Leben. Ich blicke gern mal weg vom Weg, das gibt Luft zum Atmen und Raum für Wärme. Schutz und Stärke werden übertragen.

Inwiefern kannst Du Deine Erfahrungen als Sportler sinnvoll einfließen lassen?
Beim Sport hängt alles von deiner Umsetzung ab, genauso wie in allen anderen Bereichen auch. Das ist das größte Learning für mich. Auch wichtig: der Zustand aus Be-und Entlastung. Dem Klienten klar zu machen, das Pausen die Resonanz für Kreativität und Antrieb fördern. Allerdings ist hier viel Übung wichtig. Pausen machen bedeutet nicht dem inneren Faulenzer ständig nachzugeben. Hier setzte ich an, realistischen Zielen, die fördern und Fordern. Das birgt fruchtbaren Boden.

Die Coronakrise wirft vielen von uns ständig neue Steine in den Weg. Wie kann ich mich motivieren, nicht aufzugeben, sondern jedes Hindernis in Angriff zu nehmen?
Erstmal die momentane Situation annehmen, fühlen. Danach klarmachen dass du immer noch über so viel entscheiden kannst. Etwas neues beginnen. Erfolge in diesen Bereichen feiern und mit dieser Motivation erneut bei Schritt eins beginnen.

Wir haben oben über den Wert des Alleinseins gesprochen. Warum meinst Du, fällt das manchen Menschen so schwer?
Die meisten befinden sich in einem Status des permanenten Konsums. Überall Reize, die sie aufnehmen und verarbeiten. Sie sind konditioniert darauf immer neue Impulse zu benötigen. Totale Ruhe und oder das allein sein entzieht diese Reize. Damit kommen viele nicht zurecht. Doch statt sich behutsam an diesen Moment heranzutasten, wird wieder konsumiert. Sehr schwer da auszubrechen. Das schaffen nur die, die das wirklich (!) möchten, oder die, die sich dafür Anleitung holen. Auch für mich war dies eine lange Reise die immer noch andauert. Mittlerweile weiß aber jeder: Der Sebastian ist häufig nicht dabei, aber wenn, dann ist er absolut dabei.  Bodo Schäfer hat da ein tolles Zitat:
„Sage nein zu unwichtigen Dingen, und werde groß. Sage ja zu den wirklich wichtigen Dingen und werde ein Gigant!“ Ein wenig reißerisch, aber mir gefällt es sehr.

Was möchtest Du diesen Menschen als Coach mit auf den Weg geben?
Erkenne die Magie der Ruhe! Du benötigst mehr Zeit für dich, als du vermutest.

Als positiver Impuls zum Abschluss: Warum lohnt es sich, auch in der Krise Hindernisse in Angriff zu nehmen und zu überwinden statt auszuweichen?
Zunächst: Wenn die Kraft nicht reicht ist ein Ausweichen auch okay, dafür gibt es beim Hindernislauf die ( sehr scherzhaft bezeichnete) Pussy Lane. Das hat natürlich auch ein Stück mit deinem eigenen Anspruch und deinem mentalen Limit zu tun. Aber ich denke, lieber ausnahmsweise mal ausweichen, statt langfristig nicht an den Start zu kommen. Aber: stell dir vor, wieviel mentale Höhe und Reife du erreichst, wenn du Hindernisse überwindest. Dieses Gefühl ist woanders schwer zu bekommen. Daher, es lohnt sich! Heavy Metal und GO!!

Mehr zu Sebastian findet Ihr auf Instagram unter anlaufpunkt_coaching

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Foto: Andrea Piacquadio/ www.pexels.com